Hessisches Wohnraumbündnis gegründet: Sozialer Wohnungsbau muss Vorrang haben

„Das ‚Sonderprogramm Wohnungsbau‘, das die Hessische Landesregierung vor einiger Zeit vorgestellt hat, ist ein Schnellschuss in Wahlkampfzeiten. 200 neue Wohnungen jährlich reichen bei weitem nicht aus, um den tatsächlichen Bedarf an bezahlbarem Wohnraum zu decken,“ so Stefan Körzell, Vorsitzender des DGB Hessen-Thüringen am Montag in Wiesbaden. „Was wir in der Wohnungspolitik wirklich brauchen, sind langfristig wirkende und bedarfsgerechte Investitionen, um den Problemen auf dem Wohnungsmarkt wie Wohnungsnot und explodierende Mieten etwas entgegen zu setzen. Die CDU/FDP-Landesregierung hat die Entwicklung der letzten Jahre auch in diesem Politikfeld verschlafen. Jetzt kurz vor der Wahl versucht sie, als Macher aufzutreten. Dabei war sie es doch, die 2012 noch die 65.000 Wohnungen der Nassauischen Heimstätte verkaufen wollte. Wäre es so gekommen: Die Mieterinnen und Mieter wären dem Markt ausgesetzt worden und hätten die neuen Mieten zum großen Teil wohl nicht zahlen können.“

Wolfgang Hessenauer, Vorsitzender des Deutschen Mieterbundes – Landesverband Hessen e.V.:„Wir brauchen die jährliche Schaffung von 3.200 mietpreisgebundenen Wohnungen, um das Auslaufen der Bindungen zu kompensieren. Darüber hinaus müssen explodierende Mietpreise dringend begrenzt werden, weil Mieterhöhungen von bis zu 30% bei Neu- und Wiedervermietungen keine Seltenheit sind.“

Andreas Schaper, AStA-Referent für Wohnen und Soziales an der Justus-Liebig-Universität Gießen, fügt hinzu:„Hessen ist im Bundesländervergleich eines der Schlusslichter, was die Versorgungsquote mit studentischem Wohnraum betrifft. Daher brauchen wir mindestens 7000 zusätzliche Studierendenwohnplätze, um eine Angleichung der Versorgungsquote an den Bundesschnitt zu erreichen. Am wichtigsten ist jedoch die Förderung des sozialen Wohnungsbaus, denn 92% aller Studierenden müssen sich am privaten Wohnungsmarkt versorgen. Sinkt der Druck auf dem Wohnungsmarkt, finden auch Studierende wieder eine Wohnung an ihrem Studienort.“